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Mannschaft Saison 1980/81

Zirkus Dünstekoven

Auslandstourneeprogramm der Besten Darsteller
22. Mai - 24. Mai 1981

 

Auftretende Künstler:

 

Artisten am Ball:

 

Dieter Feldt
Hans-Peter Fuß
Fredi Garus
Franz Heinen
Klaus Hültz
Josef Commer
Karl-Heinz Lüssem
Dieter Lütjohann
Günter Mahlberg
Peter Schneider
Hermann Straube
Wilfried Straube


Hohe Schule des Nahkampftrainers und Dolmetschers:

 

Rainer Zeitler


Meister des Managements und Leiter des Empfangskommuniques:

 

Ferdinand Eiff

 

Fototechnik und Archiv:

 

Horst Paulmann

 

Sicherheitstechnischpolizeilicher Beistand:

 

Willibald Schröder

 

Nachwuchsakrobat:

 

Dirk Lüssem

 

Ständige Bewunderer der Künstler:

 

Winfried Freischem
Alfred Großhennig
Willi Kader
Heinz Schache  

 

Schon im letzten Jahr hatte sich die 1.Mannschaft des SV Rot-Weiß Dünstekoven auf Einladung ihres Trainers dazu entschlossen, für 3 Tage nach Helmbrechts im Fichtelgebirge zu fahren. Es hatten sich 16 Spieler bei ihrem Libero, Klaus Hültz, dem an dieser Stelle für die Organisation des Busses zu danken ist, angemeldet, jedoch musste einer wegen einer schweren Grippe absagen. Dass dies keine Ausrede war, ist klar, er wurde ja schließlich mit seinem Privatwagen einen Tag vor der Abfahrt auf der Fahrt nach Bonn gesehen, wo er sich vermutlich, des Ernstes seiner Lage bewusst, in die Intensivstation eines Krankenhauses begab um sich notärztlich behandeln zu lassen. Mit einem Schnupfen ist ja schließlich nicht zu spaßen! Man denke nur an die Ansteckungsgefahr für die anderen Mitreisenden. Außerdem hätte man bestimmt Probleme an der bayrischen Grenze bekommen. Dort hält man es mit der Quarantäneverordnung nämlich sehr genau.

 

Der andere Spieler hatte schon vor Weihnachten gesagt, er wüsste noch nicht, ob er mitfahren würde. Endlich gab er kurz vor Karneval, als er zum letzten Mal im Kreise der Mannschaft gesehen wurde, seine unumstößliche Entscheidung bekannt, er würde noch Bescheid sagen. Drei Wochen vor Antritt der Fahrt geschah dann etwas noch nie da gewesenes: Er rief an. In diesem Anruf teilte er dem Trainer mit, dass er wahrscheinlich nicht mitfahren würde oder vielleicht doch, wenn nichts dazwischen käme. Das war dann auch sein letztes Lebenszeichen.

 

Außer den übrig gebliebenen 14 Spielern fuhren natürlich noch Trainer und Betreuer, sowie 5 Schlachtenbummler mit. Unter den Schlachtenbummlern befand sich auch ein Nachwuchsspieler, der noch in Odendorf spielt. Wie man jedoch von gut unterrichteten Greisen erfahren konnte, hat Manager Eiff auf der Fahrt schon einen Vorvertrag mit dem talentierten Spieler geschlossen, über den man gehört hat, dass er auf seinen Vater während der Tour aufpassen sollte. Namen wollen wir natürlich diskreter Weise nicht nennen.

 

In monatelangem, harten Knobel- und Kartentraining hatte man sich auf die Fahrt gründlich vorbereitet, um diese Strapazen konditionell voll durchzustehen. Jedoch muss man sagen, dass diese Training nur bei den Spielern Hültz, Commer und Schneider etwas genutzt hatte, denn sie waren die einzigen, die die ganze Fahrt über die Karten in den Händen hielten, von einigen Griffen zur Bierdose natürliche abgesehen. Dass der Getränkeverzehr nicht überhand nahm, ist Betreuer Eiff zu verdanken. Er hatte sich bereit erklärt, die Dosen zu bewachen. Und er hatte Erfolg damit. Tatsächlich wurden auf der ganzen Fahrt nur 6 Dosen Limo und 19 Dosen Cola getrunken. Auch der Spieler Klaus Hültz versicherte nach der Ankunft dem wartenden Empfangskommunique glaubhaft, er habe sich mit seinem Nachbarn nur eine Büchse Bier geteilt. Dies wahrhaft sportliche Einstellung wurde von der ganzen Mannschaft geteilt, hatte man doch am nächsten Tag ein schweres Spiel vor sich. Lediglich der Trainer fiel ein wenig aus der Rolle. Nach der 7. Dose Bier versuchte er den fahrenden Bus von Außen zu fotografieren. Erst im letzen Moment, als die Tür schon geöffnet war, entriss ihm Peter Schneider geistesgegenwärtig die Kamera, die sich der Trainer kurz vorher bei ihm geliehen hatte, um zu verhindern, dass diese zu Bruch gehen würde. Er hatte sie nämlich von seiner Frau zur Silbernen Hochzeit bekommen.

 

Negativ ist eigentlich nur zu bemerken, dass der Schlachtenbummler Willi Kader auf der ganzen Fahrt kein Wort sprach und sich auch nicht am Kartenspielen beteiligte. Und das nur, weil die Wirtin ihm verboten hatte, seinen Tisch mitzunehmen. Auch bei der Mannschaft stieß sein Wunsch auf wenig Gegenliebe. Er hatte nämlich Vorgeschlagen, den Tisch hochkant mit den Beinen nach hinten auf das Cockpit des Fahrers zu stellen, weil der Mittelgang zu eng sei. im die übrigen Mitreisenden waren sich einig, sein Vorhaben nicht zu unterstützen, da man sich der Meinung des unabhängigen Fachmannes Josef Commer anschloss. Dieser erklärte, die Sicht des Fahrers wurde doch erheblich behindert. Außerdem sei es eine Materialfrage. Laborversuche über mehrere Jahre hinweg an der chemischen Fakultät der Uni Bonn, an denen auch der Spieler Dieter Lütjohann beteiligt war, hätte ergeben, dass Holztische, selbst wenn man die Decke wegnimmt, extrem weniger durchsichtig sein als z.B. Glastische.

 

Zur Vorbereitung gehörte neben dem Knobeltraining, an dem Spielführer Hermann Straube in einem Interview mit der Sportredaktion des General-Anzeigers den frühzeitigen Treffpunkt um 19:00 Uhr ausgerechnet auf dem Sportplatz mit anschließendem Fußballtraining kritisierte, weil diese Zeitverschwendung nicht einzusehen wäre, und man die Zeit besser mit gezieltem Kartenmischtraining oder Knobelbecherwurfübungen nutzen könnte, auch die zu erwartenden Verständigungsschwierigkeiten in Bayern. Aus diesem Grunde belegte die Mannschaft einen 10-stündigen Bayrisch-Kurs an der Volkshochschule Berchtesgaden unter Leitung Dr. Jodel. Hierbei zeichnete sich besonders der Spieler Günter Mahlberg aus. Er hatte schon nach 3 Doppelstunden kapiert, wie man sich in akuten Notsituationen, etwa wenn die Kellnerin eine Bierbestellung nicht gleich versteht, verhält.

 

Es darf nicht vergessen werden, sich beim Betreuer der 1. Mannschaft "Büb" Eiff zu bedanken. Er hatte zwar unverständlicher Weise die Spielerpässe vergessen, jedoch hat er es sich nicht nehmen lassen, das Bier auf der Fahrt zu stiften. Für Feinschmecker hatte er einige Büchsen Duisdorfer Doppelbock besorgt, das im Gegensatz zum herkömmlichen Fliegenpilz zwei Blaumacher enthält.

Am Grenzübergang ging die Passkontrolle ziemlich schnell. Außer Torwart Dieter Feldt hatte jeder einen gültigen Reisepass. Er hatte den Pass nicht verlängern lassen, weil er meinte, dann würde er nicht mehr in die Brieftasche passen.

 

Der erste Eindruck von Bayern war eine überdachte Straße. Das hatte man deshalb gemacht, damit bei Regen der Asphalt nicht aufweicht. Nach 7-stündiger Fahrt kam der Bus gegen 20:00 Uhr in Helmbrechts an. Die Mannschaft fand im Geburtshaus des wohl größten Sohnes der Stadt Helmbrechts, es ehemaligen Bayernliga-Spielers Rainer Zeitler eine vorzügliche Unterkunft. Wie zu erfahren war, trainiert dieser ehemalige Bayernliga-Spieler heute eine heruntergekommene Holzhackertruppe in der Nähe von Bonn. Hier muss sich die Mannschaft nochmals bei ihm und seinen Eltern für die großen Mühen, die sie sich gemacht haben, bedanken. Nachdem den Spielern die Zimmer gezeigt worden waren, ging auch schon der Sturm auf die wenigen Luftmatratzenplätze los. Als diese vergriffen waren mussten die Anderen mit den Betten vorlieb nehmen. Danach ging es geschlossen ins Hotel Traube, von dem der Rechtsaußen in aller Bescheidenheit meinte, man habe bei der Beschriftung der Frontseite das "S" vergessen.

 

Beim wirklich erstklassigen Leberkäs-Essen fiel besonders die Fürsorgepflicht und Nächstenliebe von Hermann Straube auf. Uneigennützig bediente er seinen Tischnachbarn Fredi Garus und legte ihm ein Stück Leberkäse nach dem anderen auf den Teller. Als dieser nicht mehr konnte und ihm das Essen schon bis zur Halskrause stand, munterte er ihn mit den freundlichen Worten auf: "Iss weiter, sonst gebe ich Dir Dein Besteck zurück".

 

Nach dem Essen ging es weiter mit einem kleinen Umtrunk in einer nahe gelegenen Kneipe. Da die überaus freundliche Kellnerin schon kurz nach Mitternacht kein Bier mehr ausschenken wollte, hatte der Abend einen mittelprächtigen Ausklang. Wegen der Dunkelheit oder auch wegen der fremden Umgebung oder wegen den steigenden Goldpreisen in Südafrika überfiel einen der jüngeren Spieler, um nicht zu sagen den jüngsten, eine panische Angst. Er stürzte, nur spärlich bekleidet, in das Zimmer von Hermann Straube, Willibald Schröder und noch einem, sprang in das Bett und versteckte sich unter der Bettdecke. Erst nachdem Willibald Schröder ihm das Märchen von Radkäppchen und dem bösen Golf erzählt hatte, verlies er erleichtert das Zimmer. Aus Dankbarkeit für diese Geschichte hat er am nächsten Morgen Spielführer Hermann Straube ein Brötchen geschmiert, weil diesem in Folge der Wetterumstellung und des Höhenunterschiedes noch ganz schlecht war, und sich kraftlos fühlte.

 

Nach dem Frühstück wurde eine Grenzlandtour gestartet. Man konnte genau erkennen, dass in der DDR auch schon Kinder Auto fahren dürfen, denn auf eingezäunten Grundstücken ist dies ja erlaubt. In diesem Zusammenhang machte sich Günter Mahlberg in schäbiger Weise über den Alltag unserer Freunde in der DDR lustig. Er meinte, dort müsse jeder Metzger eine Scheibe Wurst ins Schaufenster hängen, weil man die Metzgerei sonst mit einem Fliesengeschäft verwechseln könnte. Entlang der Strecke konnte man sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass die DDR auf dem Gebiet der Zauntechnik und des Wachturmbaus in Europa noch immer eine Spitzenstellung einnimmt.

 

Kurz vor dem Mittagessen wurde auf Vorschlag des Trainers ein kleiner Waldlauf durch den Wald unternommen. Mit der hinterlistigen Bemerkung, dort gäbe es irgendwo ein Wirtshaus, hatte er die Truppe durch das Gelände gelockt. Mitten im tiefsten Tannenwald überfiel den an Darmgrippe erkrankten Spieler Karl-Heinz Lüssem ein komisches Magen- und Darmsausen, welches er nach kurzer Überlegung so deutete, dass er unbedingt den Waldboden etwas beschweren sollte. Er ging dann sofort auf den Vorschlag seines Magens ein und hockte sich hin. Wilfried Straube bezeichnete diese Tat als Waldfrevlung. Karl-Heinz Lüssem wurde für diese reife Leistung später mit dem Dünnschissorden am Bande in ockergelb ausgezeichnet. Unhöflicher Weise hielt der mitgereiste Amateurfotograf Horst Paulmann diese Szene in Bild, aber leider nicht in Ton fest. Kurz darauf, nachdem er sich gefragt hatte, wie wohl die zahlreichen Wassergräben angelegt worden wären, testete Winfried Freischem die Wasser- und Schlammfestigkeit seiner Sandalen und Socken. Nach einer kurzen Kletterpartie, in der man teilweise sogar Überhänge bewältigen musste, war man wieder am Bus angelangt. Nur Dieter Feldt hinkte etwas hinterher. Er hatte in der Nacht unter starker Schlaflosigkeit gelitten. Er konnte erst gegen 5:00 Uhr einschlafen, nachdem er freundlicher Weise schon die Zeitung ins Haus gebracht hatte.

 

Nach einer Rast in einem Brückenrestaurant ging es weiter in einen Gasthof zum Mittagessen. Es gab Schweinshaxen. Dafür, dass nicht übrig blieb, sorgten Klaus Hültz und Dieter Lütjohann, der die Mahlzeit mit einem dreifachen "deftig, deftig" kommentierte. Danach bereitete die Mannschaft sich geistig auf das große Spiel um 17:00 Uhr vor. Die Kartennachfrage war enorm. Schon 2 Stunden vor dem Spiel, als gerade das Vorspiel der Bayernliga zwischen dem VfB Helmbrechts und dem FC Haßfurt anging, säumten tausende von Menschen den Platz. Einige ganz fanatische Anhänger umringten sogar die noch in Zivil zuschauenden Dünstekovener Spieler und brüllten den Bayernliga-Spielern zu, etwas mehr Rücksicht auf sie zu nehmen und leise zu sein. Jedoch waren die Fans von dem hautnahen Kontakt zu ihren Lieblingen so in Ehrfurcht erstarrt, dass sie sich nicht trauten um Autogramme zu bitten. Um diese Zeit überfiel den Dünstekovener Spielausschussvorsitzenden Eiff ein starkes Hungergefühl, das er mit dem Erwerb von 2 Würstchen zufrieden stellen wollte. Diese waren so heiß, dass er sie kurzerhand samt Senf in sein Hemd einwickelte. Er versuchte dieses geschickte Manöver zu verheimlichen, doch Torwartnachwuchstalent Peter Schneider, der die Szenen messerscharf beobachtet hatte, konnte ihm die Tat anhand eins Fettfleckes, der etwa 15% seiner Taille bedeckte, nachweisen.

 

Um die Stimmung anzuheizen, hatte sich der Veranstalter etwas einfallen lassen. Nach dem Vorbild der amerikanischen Profiliga hatte man 5 zierliche, junge Damen organisiert, die vor den westdeutschen Gästen ein Schaugehen abzogen. Bald darauf konnte die eigentliche Hauptversammlung beginnen. In der Kabine wiederholte der Trainer noch einmal seine thekentaktischen und trinktechnischen Anweisungen für den weiteren Verlauf des Abends, die er beim Frühschoppen, sowie während nächtelanger Sauftouren zusammen mit Cäsar Zechmann ausgearbeitet hatte. Er gab bekannt, die einheimischen Spieler mit 5 Ex-Runden zu überrumpeln, um sie dann mit Asbach-Cola matt zu setzen. Nachdem die Verteidiger mit ihrer Ration Bullenblut scharf gemacht worden waren, konnte man ins Stadion einlaufen. Sogar auf dem Nebenplatz, der etwas höher gelegen war, hatte man Zusatztribünen aufgebaut, damit alle Zuschauer etwas sehen konnten. Unter tosendem Beifall ging der Anstoß von statten, bei dem, wie später gewitzelt wurde, Klaus Hültz seinen Gegenspieler, immerhin einen Nationalspieler, das letzte Mal gesehen hatte.

 

In der 1. Halbzeit hatten die Dünstekovener ihren Gegner fest im Griff. Jeder jagte seinen Gegenspieler vor sich her, dass es nur so eine Freude war. Als man erkannte, dass die Gastgeber nichts zu bestellen hatten, lies man sie bei einem Angriff frei durchlaufen. Auch Franz Heinen schaltete blitzschnell und blieb stehen, um einer eventuellen Abseitsstellung vorzubeugen. Ebenso Torwart Dieter Feldt: Er machte zwar einen Schausprung zum Ball, aber Eingeweihte sehen sofort, dass es sich um ein Geschenk des ansonsten überragenden Keepers handelte. Selbst einheimische Zuschauer lobten seine sichere Faustabwehr. Danach machte sich der hängende Linksaußen der Dünstekovener, der wieder einmal durch sein enormes Laufpensum glänzte, durch einige sehenswerte Aktionen auf sich aufmerksam. Zunächst schlug er eine genau getimte Flanke ein wenig hinter das Tor, so dass der Ball nur um ein paar Zentimeter eine Tanne verfehlte. Dann, als er seinen Gegenspieler Frank Zander, den er durch minutenlanges Herumstehen eingeschläfert hatte, wieder einmal überstolpert hatte, wagte er einen Schuss aus halblinker Position, der nur deshalb an der rechten Eckfahne ins Seitenaus ging, weil Rechtsaußen Wilfried Straube nicht mitgedacht hatte. Nach einem Lattenschuss des Sturmtanks Karl-Heinz Lüssem pfiff der Schiedsrichter, heute in einem hautengen schwarzen Seidendress, zur Pause.

 

Während der 1. Hälfte hatten die Reservespieler, von der Mannschaftsbetreuung ausreichend mit Bier und Zigaretten versorgt, mit ihren Mannschaftskameraden auf dem Spielfeld gezittert. Nun kam ihre große Stunde. In der 17. Minute war bereits Willibald Schröder für Dieter Lütjohann gekommen, der sich beim Versuch, seinen Gegenspieler ins linke Knie zu beißen, einen Halswirbel verrenkt hatte. Für Dieter Feldt, dem es auf den Ischias-Nerv geschlagen war, dass auf der Bank ohne ihn Erfrischungen eingefüllt wurden, konnte Peter Schneider sein Können im Tor beweisen. Er verriet auch gleich sein Talent, als er einen Erdabstoß genau auf den am 16-Meter-Raum stehenden Günter Mahlberg spielte und dessen Rückstoß ohne Mühe zur Ecke lenkte. Bis zur 70. Minute zeigte er einige Unsicherheiten und ein paar große Schnitzer, danach wurde er ein wenig schwächer.

 

Doch zurück zum Fußball! Kurz nach der Pause zeigte die Dünstekovener Fohlenelf was sie wirklich kann. Aus der Abwehr heraus kam Offensivverteidiger Fredi Garus galoppiert und spielte die Nummer 10 der Gäste an. Dieser hatte keine Mühe, seinen Gegenspieler auszutricksen, denn der war mit dem Binden seiner Fußballschuhen beschäftigt. Aus Angst vor einem eventuellen Foul des herannahenden gegnerischen Liberos schlug er planlos den Ball weg, welcher Karl-Heinz Lüssem, der zufällig des Weges kam, auf den Kopf fiel. Er konnte nicht mehr ausweichen und zum Erstaunen aller landete der Ball im Tor. Um diesen Angriff auf seinen Kopf beim Schiedsrichter zu melden, lief der Torschütze mit erhobenen Armen , "Tor" brüllend, zurück zur Mittellinie. Doch der Unparteiische bestrafte seine Undiszipliniertheit, indem er einen Freistoß für Helmbrechts genau auf den Anstoßpunkt gab.

 

Danach verflachte das Spiel und einige Konzentrationsschwächen wurden deutlich. Besonders Torwart Schneider merkte man seine Nervosität an. Jedenfalls kann man ihm eine gewisse Mitschuld am 3. Tor von Helmbrechts nicht absprechen. Den Fernsehreportern erklärte er nach dem Spiel, im Gegensatz zu manchem Mitspieler habe er seine Leistung konstant halten können. Schließlich hätte er auch im Spiel gegen Odendorf ebenfalls nur 3 Tore kassiert. Nachteilig ist zum Spiel, das mit 1:4 verloren ging, das Mitwirken den Trainer zu bemerken: Er fiel nur durch lautstarke Zwischenrufe, sowie durch millimetergenaue Fehlpässe auf. Man merkte ihm doch an, dass er 12 Jahre ohne Spielpraxis war. Auch Spielführer Hermann Straube erreichte seine Normalform bei weitem nicht, denn er spielte sehr gut.

 

Nach dem Spiel wurde die Mannschaft zum Abendessen geladen. Bei Tisch stellte Klaus Hültz die Frage: "Wann fangen wir an?" Darauf antwortete Willi Kader: "Um 19:30 Uhr!" Josef Commer verblüffte seinen Nachbarn Peter Schneider mit der Frage, ob er ihm das Paprikastück auf seinem Teller geben könne, doch der musste ihn leider enttäuschen, denn es handelte sich um ein Lachsschnittchen. Nach dem Essen wurde auf Bestellung von Herrn Zeitler noch ein wenig getrunken. Dabei betrat ein fescher Bursch, der nach dem Spiel wieder etwas Mut gefasst hatte, die Szenen und erzählte leerreiche Schwänke aus seinem Leben. Alle Zuhörer haben dadurch gelernt, dass man nie ohne Papiere fahren sollte und wie gefährlich es ist, auf unsichtbare Stimmen zu hören.

 

Nach dieser Einlage wurde beschlossen, in die Nachbarstadt Münchberg zu fahren. Sämtliche bayrischen Taxis wurden angerufen. Es kam dann auch prompt. Nach dem Besuch in einem seriösen "Flaschenlokal", das nach der Abreise in einen zwielichtigen Ruf geriet, heuerte die Mannschaft in einer benachbarten Diskothek an. Hier zeigte sich, wie richtige Männer zusammenhalten. Als der Spieler Hans-Peter Fuß leichtsinniger Weise auf den Tasten der Registrierkasse spielen wollte, beschimpfte ihn der misstrauische Kellner mit unverständlichen Urlauten. Diese Geräusche hatte Karl-Heinz Lüssem, einigen vielleicht auch unter dem Namen Charly bekannt, auf sich bezogen und drohte ihm, ihn unter den Hals zu schlagen bis er lachen würde. Doch Willibald Schröder löste die Sache souverän in seiner Eigenschaft als Polizeibeamter, in dem er dem aufgeregten Kellner seine rechte Dienstfaust zeigte und ihm die Zwecklosigkeit seines Vorhabens, sich mit Charly anzulegen, vor Augen führte. Außerdem wies er ihn auf die gesundheitlichen Folgen für ihn im Falle einer Nichtberücksichtigung seines Rates hin.

 

Nachdem sie bemerkt hatten, dass sie inzwischen gegen Bier immun geworden waren, versuchten einige, unter ihnen Horst Paulmann und Hermann Straube, ihren Promille-Spiegel durch eine verschärfte Whisky-Kur zu steigern. Doch dieses Vorhaben gelang nur teilweise, denn gegen 4:00 Uhr wollte der Chef des Hauses schon schlafen gehen, nachdem er noch eine Abschiedsrunde spendiert hatte. Dass die Dünstekovener Truppe nicht nur aus gestandenen Gewohnheitstrinkern besteht, sondern auch aus wirklichen Genießern, bewies Fredi Garus. Nachdem er ein Stündchen geschlafen hatte, verblüffte er die Bedienung mit dem Wunsch nach Kaffee. Seine Bestellung wurde mit einem ungläubigen Blick auf die Uhr beantwortet. Aber das Schicksal sollte noch einmal in dieser Nacht in Form von Dieter Lütjohann über ihn hinweg fahren. Dieser hatte, gerade vom Einsatz in Manhattan kommend, ein Kinderfahrrad entdeckt, welches er seinem Jüngsten mit von der Tour bringen wollte. Fredi Garus war inzwischen eingefallen, dass er müde war. Deshalb wollte er sich auf den Mittelstreifen schlafen legen. In diesem Moment kam Dieter Lütjohann und fuhr ihm über sein Handgelenk. Zur Strafe haben sie dann beide das Fahrrad in eine Telefonzelle gesperrt. Aber Fredi hat bestimmt auch Glück gehabt. Man stelle sich einmal vor, Dieter hätte einen Bagger gefunden. Dann hätte Fredi bestimmt ein neues Passbild machen lassen müssen. Allerdings hätte er dann mit bloßen Händen Tennis spielen können. Vielleicht hätte man ihn unter diesen Umständen auch zum Torwart ausbilden können.

 

Nach dieser Episode fuhr man nach Helmbrechts zurück. Rainer Zeitler forderte die Spieler beim Gang durch den Keller auf, Rücksicht auf die Schlafenden zu nehmen. Einer der Spieler antwortete darauf mit lautem Schlagen gegen die Aluminiumtür. In dieser Nacht bekamen wir auf unserem Zimmer Nachwuchs. Einmal Fredi Garus, zum anderen Dieter Lütjohann, der um Asyl gebeten hatte, weil er in seinem Heimatzimmer durch pausenloses Schnarchen seiner Mitschläfer einem gewissen Psycho-Terror ausgesetzt war und sich nur mühsam mit stümperhaften Blähversuchen wehren konnte, da er seine tägliche Knoblaucheinheit vermisste. So schliefen wir dann ausgiebig 4 Stunden lang.

 

Am Sonntagmorgen nach dem Frühstück wollte die Mannschaft mal eben kurz ihre Sporttaschen aus dem Vereinsheim abholen. Aber weil der Kabinenschlüssel nicht sofort aufzutreiben war, sah man sich leider gezwungen, bei einigen Bierchen noch 2 Stunden zu verweilen. Zum Mittagessen gab es dann Schweinebraten mit frisch gefangenen Knödeln. Man konnte es daran erkennen, dass der Köder noch in ihnen steckte. Allerdings beschwerten sich einige Spieler, es seien Haare in den Knödeln. Das ist aber auf die Tatsache zurückzuführen, dass der Koch nur einen Arm auf der linken Seite hatte.

 

Die Heimfahrt sollte zum traurigsten Kapitel der Dünstekovener Vereinsgeschichte werden. Hatte sich doch im hinteren Teil des Busses die lästernde Elite unter Anführung von Oberlästerer Zeitler versammelt. Nachdem dieser die Geschichte von Manager Eiff in der Unterhose erzählt hatte, meinte ein ganz Unverschämter in diesem Zusammenhang, Dieter Feldt bekäme beim Duschen keine nassen Füße. Schließlich war Rainer Zeitler bei dem Musiktitel "Anita" so begeistert, dass er in Gedanken auf einer Gitarre mitspielte. Daraufhin bemerkte ein Nachbar von Karl-Heinz Lüssem, Rainer habe seine Gitarre nicht mitgebracht, weil sie kaputt sei. In der Mitte sei ein großes Loch, das er zwar versucht habe zu flicken, indem er versucht habe, einen Draht darüber zu spannen, aber bei genauerem Hinsehen sei die laienhafte Reparatur noch immer zu erkennen. Vom lautstarken lachen geweckt, kamen nun auch Dieter Lütjohann, Hermann Straube und Günter Mahlberg in die hinteren Reihen. Dies sollte der Anfang vom Ende sein., weil auch die letzte Bank bald mit 3 zahmen Bären besetzt war.

 

Hermann Straube wunderte sich darüber, mit wie viel Mühe man die ganze Landschaft ringsumher angelegt hatte. Man denke nur an den Arbeitsaufwand beim Aufreißen des ganzen Asphalts, nur einen schmalen, langen Streifen hatte man stehen lassen, damit die Flugzeuge sich besser orientieren können. Allerdings werden sie durch die pausenlos fahrenden Autos in ihrem Bemühen behindert. Der mitgereiste Fan Heinz Schache stellte dann fest, wie hoch die Wäscheleinen hängen und dann ergänzte er: "Dat waas jo noch". Aber Hermann Straube schränkte sofort ein, indem er meinte, die umbauten Landschaftsteile hätten es natürlich leichter zu wachsen, als die mit Häusern drauf. Und tatsächlich: Mit einem Blick aus dem Fenster konnte sich jeder davon überzeugen, dass nur ganz wenige Häuser auf den Bergspitzen standen. Schließlich schlug er vor, ein Dachfenster zu öffnen, damit man die frische Luft im Bus besser sehen könnte. Bei dieser Bemerkung machten sich bei Rainer Zeitler erste Anzeichen eines Milzkrampfes bemerkbar, auch Karl-Heinz Lüssem verspürte eine Zerrung im Zwerchfell. Im Hinblick auf das Wetter meinte Dieter Lütjohann, in den Höhenlagen der Eifel seien Hinterreifen erforderlich. Außerdem gäbe es in London keinen Bodenfrost mehr, denn dort hätten sie einen Tower gebaut. Als ihm dann noch auffiel, dass die Bauern noch immer in den Wolkenfeldern arbeiteten, gab sich der Trainer geschlagen und ging unter Atembeschwerden nach vorne ins Exil.

 

Unterwegs hatte man noch in einer Raststätte eine halbe Stunde Pause gemacht. Hier fiel besonders ein ehemaliger Kreisligaspieler, genannt "Al", negativ auf, denn 3 hilfsbereite Feuerwehrleute mussten ihn aus seinem am Boden und am Tisch befestigten Drehstuhl befreien. Als Peter Schneider nach langem Suchen endlich seine Lieblingsbiersorte gefunden hatte, die ihm so gut schmeckte, dass er 6 Mann probieren ließ, protzte er damit, dass dieses Bier 40% weniger Kalorien habe, als normales Bier. Ein Expertengremium unter Vorsitz von Alfred Großhennig stellte dann aber richtigerweise fest, dass es überhaupt kein 40%iges Bier gäbe.

 

In Frankfurt klärte Karl-Heinz Lüssem seinen Sohn Dirk darüber auf, dass es dort einen großen Flughafen gäbe. Doch dieser beteuerte gegenüber dem ungerechtfertigten Vorwurf seine Unschuld und sagte: "Da kann ich doch nichts für." Schließlich fiel ihm auf, dass der Bus von 2 Flugzeugen verfolgt wurde, die jedoch abdrehten, als sie sich das Autokennzeichen des Busses aufgeschrieben hatten. Hermann Straube beruhigte ihn und sagte: "Das ist doch gar nichts, schau Dir mal die ganzen Autos an, die hinter uns her sind."

 

Auf der letzen Etappe der Fahrt glänzte dann Wilfried Straube durch einige geschmacklose Witze über die letzen Minuten eines Todeskandidaten. So erzählte er von einem Mann, der an einem regnerischen Tag hingerichtet werden sollte und der dann sagte: "Verdammt, hier ist es so glatt, man könnte sich direkt das Genick brechen." Dann erzählte Günter Mahlberg irgendetwas von einem durch den Fahrtwind erfrorenen Kamel in der Wüste, was allerdings in der allgemeinen Entrüstung über Wilfried Staubes 2. Witz unterging. Er gab die schöne Weise vom nervösen Henker kund, der furchtbar mit dem Beil zuckte und sich daraufhin beim Delinquenten mit der Tatsache, dass es seine 1. Hinrichtung sei, entschuldigte. Daraufhin der Todeskandidat: "Meinst Du vielleicht, meine nicht?"

 

Nachdem Hans Peter Fuß eine Zeitungsnotiz wiedergegeben hatte, in der es hieß, dass man Strecken heutzutage mit dem Auto in wenigen Stunden zurücklegen kann, wofür man früher zu Fuß etliche Minuten gebraucht hätte, bemerkte Dieter Lütjohann, dass man in Ostfriesland keine Eisklümpchen mehr herstellen könne, denn die ältere Dame, die als Einzige das Rezept kannte, sei gestorben. Schließlich wies einer auf den Ernst der Lage hin und stellte fest: "Wir lachen hier und in Brasilien wird der Kaffee ins Meer geschüttet."

 

Nun war man bald zu Hause angelangt und Hermann Straube, nachdem er bemerkt hatte, da sind wir ja jeck drin, freute sich schon auf die Gaststätte Habbig, denn er meinte, nun könne man sich nach der langen Fahrt endlich mal wieder setzen. In Dünstekoven angekommen, trank man nach einer Runde Tischklopfen noch ein Bier, lediglich Karl-Heinz Lüssem konnte nichts mehr vertragen, denn er ließ nach dem 1. Schluck einen jämmerlichen Rest von 3/4 im 0,2l-Glas drin. Kurze Zeit später, nachdem man den Vorschlag von Al, in Altenahr noch einen gemütlichen Ausklang zu starten, abgelehnt hatte, wurden alle nach Hause abgeholt.

 

Zusammenfassen muss man sagen, dass es eine sehr schöne Tour war, bei der von der Busfahrt über das Quartier bis hin zum Essen alles stimmte. Deshalb hat der Trainer der Mannschaft versprochen, in 2 Jahren noch einmal die selbe Tour zu unternehmen.
 



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